MacDuff, John R. - Der Bogen in den Wolken - 7ter Tag. - Eine Gnadenbedingung

Meinen Bogen habe ich gesetzt in die Wolken.

Wo es sein soll.
1 Petri 1, 6.

Welch ein Motto! welch eine segensreiche Überschrift über der finstern Schwelle der Trübsal! Wo es sein soll! Jeder Pfeil aus dem Köcher des Herrn ist damit befiedert. Kind der Trübsal! schreib' es über jegliche Anfechtung, die Gott über dich zu verhängen für gut findet. Wenn Er dich von sonnigen Berghöhen in dunkle Täler hinabruft, so höre, wie Er spricht: Es soll also sein! Wenn Er dir den Becher irdischen Glücks von den Lippen hinwegreißt, wenn Er dir jeden menschlichen Trost nimmt und wenn Er dir „Korb und Übriges“1) schmälert - dann höre wie Er spricht: Es soll also sein! Wenn Er mit hartem Verluste, wie mit einer scharfen Pflugschar dein Herz umgeackert und durchfurcht und wenn Er ein Licht nach dem andern in deinem Hause ausgelöscht hat - dann höre, wie Er, die Aufregung des Kummers in deinem Innern zu stillen, ruft: Es soll also sein!

O, glaube nur, deine Trübsal hat einen sichern und gewissen Grund! Dermalen mag er wohl unausforschlich für dich sein. Kein Schmelzofen ist jedoch heißer, denn er sein soll. Manchmal sind allerdings die Züchtigungen deines Gottes in Dunkel gehüllt, und oft kostet es uns nicht wenig Mühe das Wort auszusprechen: Gott ist die Liebe! Da sieht man das Licht nicht, da erscheinet kein lichter Bogen, dass es in den Wolken helle leuchtet2). Es ist Alles dunkel, nicht ein helles Pünktlein, das den dunklen Himmel durchbricht! Ja! höre, was der Herr, dein Gott, spricht. Wo es sein soll! Doch lässt Er die Seinen nicht allein, wenn Er sieht, dass die Last ihnen schwer wird. Indessen gebraucht Er die Mittel, welche Ihm gut dünken, um sie von der Liebe zur Welt loszumachen - um sie aus sich selber hinauszusetzen und jene eitlen Götzen vom Throne zu stoßen, den einzunehmen Ihm allein gebührt. Sollte Er nicht, ehe diese Trübsal über dich kam, es gesehen haben, wie deine Liebe zu Ihm erkaltet und deine Empfänglichkeit fürs Gute ins Abnehmen gekommen? Wie war's, als die Sonne ihre Strahlen hell leuchten ließ hat da nicht die Sonne deines zeitlichen Glücks das Feuer deiner Seele ausgelöscht und deine Liebe für Christum geschwächt? Hast du da nicht einen Bund gemacht mit einer schmeichlerischen und verführerischen Welt? Nun, darum hat der Herr dich in die rechte Schule gebracht und über dich kommen lassen, was Not tat. Nichts Befremdliches, nichts Sonderliches ist geschehen, sondern nur das, was geschehen musste.

So sei denn stille, meine Seele, und erkenne, dass der Herr Gott ist! Bedenke, das Also soll es sein ist in der ewigen Liebe, der ewigen Weisheit und der ewigen Allmacht Händen. Auf den Herrn setze dein Vertrauen in kleinen Dingen, wie in großen, bei geringfügigen Vorfüllen, wie bei wichtigen Ereignissen. Trachte danach, dass dein Glaube sei sonder Zweifel. Ists auch keine Frage, dass du dir selber andere Wege erwählt hättest, als Er dich führt, so ist's doch deine Sache bei allen Gängen, die Er dich leitet, auf die Stimme zu hören, die da spricht: Dies ist der Weg, denselben geht3)!

Jetzt können wir's wohl noch nicht verstehen, aber einst wird der Tag kommen, an welchem wir's erfahren, dass die Trübsal einer von den freundlichsten Engeln Gottes ist ein dienstbarer Geist, ausgesandt zum Dienst um derer willen, die ererben sollen die Seligkeit4). Wie, würde wohl ein Bogen am Himmel aufgespannt, wenn's keine Wolken dran gäbe? Ich weiß es wohl, angenehm fürs Auge sind reines Azurblau, weißlockige Schäfchen am hellen Firmament oder goldgefasster Purpur am Abendhimmel; allein, was sollte wohl aus der Erde werden, wenn nicht von Zeit zu Zeit dunkles Gewölk über sie herabhinge? was? wenn dieses nicht ihre welken Schösslinge auffrischte und ihnen neues Leben brächte?

Nun aber, verhält es sich mit der Seele denn anders? O nein, keineswegs! Sie kann die Trübsalswolken nicht entbehren. Jeder Tropfen, der aus ihnen. herniederträufelt, ist ein Zeichen der Liebe! Wohlan denn! bist du betrübt, meine Seele, wenn diese Wolken sich zusammenziehen und der Sturm heulet so richte. deine Augen empor auf das göttliche. Zeichen, welches durch den dunklen Himmel strahlt, und gedenke, dass Der, welcher den Bogen der Verheißung darin gesetzt, auch ein „Es soll so sein“ für die Wolke erkannte, auf welcher der Bogen ruht!

Und wenn es kommt, dass ich Wolken über die Erde führe, so soll man meinen Bogen sehen in den Wolken.

1)
5. Mos. 28,17
2)
Hiob 37,21
3)
Jes. 30, 21.
4)
Ebr. 1, 14.